Quel­len & Forschungsbasis

Serie: Füh­rung im Wandel

Die Blog-Serie „Füh­rung im Wan­del” basiert auf The­sen, die in der Füh­rungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­for­schung empi­risch gut belegt sind. Die­se Sei­te doku­men­tiert die wis­sen­schaft­li­che und pra­xis­ori­en­tier­te For­schungs­ba­sis der gesam­ten Serie. Sie rich­tet sich an Lese­rin­nen und Leser, die tie­fer in die Evi­denz ein­stei­gen möchten.

Die ver­wen­de­ten Quel­len stam­men aus drei Kate­go­rien: peer-review­te aka­de­mi­sche Stu­di­en, groß ange­leg­te Pra­xis­stu­di­en aus der Manage­ment­for­schung sowie wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Buch­pu­bli­ka­tio­nen. Alle Quel­len sind öffent­lich zugäng­lich oder in ein­schlä­gi­gen Fach­bi­blio­the­ken verfügbar.

For­schungs­ba­sis nach Kernthesen

Füh­rungs­ver­hal­ten ist der ent­schei­den­de Hebel in Veränderungsprozessen

Ver­än­de­rungs­pro­zes­se schei­tern sel­ten an der Stra­te­gie. Sie schei­tern an der Führung.

McK­in­sey & Com­pa­ny hat in einer glo­ba­len Ana­ly­se fest­ge­stellt, dass 70 Pro­zent aller Chan­ge-Pro­gram­me ihre Zie­le nicht errei­chen. Als Haupt­ur­sa­chen iden­ti­fi­ziert McK­in­sey feh­len­de Unter­stüt­zung des Manage­ments und akti­ver Wider­stand der Mit­ar­bei­ten­den. Bei­des hängt direkt mit dem Ver­hal­ten der Füh­rungs­kraft zusammen.

John P. Kot­ter hat in „Lea­ding Chan­ge: Why Trans­for­ma­ti­on Efforts Fail” (Har­vard Busi­ness Review, 1995) acht typi­sche Feh­ler in Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen beschrie­ben. Zwei davon betref­fen direkt das Füh­rungs­ver­hal­ten: das Feh­len einer akti­ven, sicht­ba­ren Füh­rungs­ko­ali­ti­on und das zu frü­he Erklä­ren von Erfolg, bevor Ver­än­de­rung wirk­lich ver­an­kert ist.

Pro­sci hat über 25 Jah­re und mehr als 10.800 Pro­fes­sio­nals in sei­ner Bench­mark-Stu­die „Best Prac­ti­ces in Chan­ge Manage­ment” befragt. Akti­ve und sicht­ba­re Füh­rungs­be­tei­li­gung wur­de in jeder Stu­die seit 1998 als der wich­tigs­te Ein­zel­fak­tor für den Erfolg von Ver­än­de­rungs­in­itia­ti­ven iden­ti­fi­ziert. Pro­jek­te mit effek­ti­vem Chan­ge Manage­ment errei­chen ihre Zie­le zu 93 Pro­zent, ver­gli­chen mit 15 Pro­zent bei Pro­jek­ten mit schlech­tem Chan­ge Management.

Pas­si­vi­tät der Füh­rungs­kraft hat sys­te­mi­sche Konsequenzen

Wer schweigt, ent­schei­det. Die­ses Prin­zip ist nicht nur eine Beob­ach­tung aus der Pra­xis, es ist durch For­schung belegt.

Fau­pel und Süß (Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf) haben in einer empi­ri­schen Stu­die mit 328 Mit­ar­bei­ten­den aus Unter­neh­men ver­schie­de­ner Bran­chen zwei psy­cho­lo­gi­sche Mecha­nis­men iden­ti­fi­ziert, durch die Füh­rungs­ver­hal­ten das Ver­hal­ten von Mit­ar­bei­ten­den in Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen beein­flusst. Ers­tens: Mit­ar­bei­ten­de, die trans­for­ma­tio­nal geführt wer­den, schät­zen die per­sön­li­chen Kon­se­quen­zen eines Ver­än­de­rungs­pro­zes­ses erheb­lich posi­ti­ver ein und unter­stüt­zen Ver­än­de­run­gen aktiv. Zwei­tens: Trans­for­ma­tio­na­le Füh­rung erhöht das Arbeits­en­ga­ge­ment der Mit­ar­bei­ten­den nach­weis­lich. Der Umkehr­schluss ist eben­so vali­de: Wo akti­ve Füh­rung fehlt, blei­ben bei­de Mecha­nis­men wirkungslos.

MIT Slo­an Manage­ment Review und Cogni­zant haben 2020 eine glo­ba­le Stu­die mit 4.394 Füh­rungs­kräf­ten durch­ge­führt. Ergeb­nis: 82 Pro­zent der Befrag­ten sagen, dass ihre Orga­ni­sa­ti­on digi­tal-ver­sier­te Füh­rungs­kräf­te braucht. Nur 40 Pro­zent glau­ben, dass ihre Orga­ni­sa­ti­on ent­spre­chen­de Füh­rungs­pipe­lines auf­baut. Füh­rungs­kräf­te selbst fal­len in der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on häu­fig hin­ter ihren Teams zurück.

Feh­ler­kul­tur ist eine Füh­rungs­auf­ga­be, kei­ne Haltungsfrage

Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit ent­steht nicht durch Appel­le. Sie ent­steht durch kon­sis­ten­tes Führungsverhalten.

Amy C. Edmond­son, Pro­fes­so­rin an der Har­vard Busi­ness School, hat in „Psy­cho­lo­gi­cal Safe­ty and Lear­ning Beha­vi­or in Work Teams” (Admi­nis­tra­ti­ve Sci­ence Quar­ter­ly, 1999) den Begriff der psy­cho­lo­gi­schen Sicher­heit empi­risch fun­diert. Teams, in denen Mit­glie­der kei­ne Angst vor nega­ti­ven Kon­se­quen­zen bei Feh­lern, Fra­gen oder abwei­chen­den Mei­nun­gen haben, ler­nen schnel­ler und lie­fern bes­se­re Ergeb­nis­se. Ent­schei­dend: Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit wird durch das Ver­hal­ten der Füh­rungs­kraft geprägt, nicht durch das Team. In „The Fearless Orga­niza­ti­on” (2018) zeigt Edmond­son, dass Füh­rungs­kräf­te, die eige­ne Feh­ler benen­nen und pro­duk­ti­ves Schei­tern model­lie­ren, die stärks­ten Signa­le für eine ler­nen­de Kul­tur setzen.

Goog­le hat in der inter­nen Stu­die „Pro­ject Aris­tot­le” (2016) 180 Teams über meh­re­re Jah­re unter­sucht. Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit kor­re­liert mit 43 Pro­zent der Vari­anz in der Team­per­for­mance. Teams mit hoher psy­cho­lo­gi­scher Sicher­heit zei­gen 31 Pro­zent mehr Inno­va­ti­on. Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit war der wich­tigs­te iden­ti­fi­zier­te Fak­tor, vor Struk­tur, Res­sour­cen und indi­vi­du­el­ler Kompetenz.

Mit­ge­hen ein­for­dern setzt Vor­le­ben voraus

Legi­ti­mes Ein­for­dern braucht eine Grund­la­ge. Die­se Grund­la­ge ist Vorbildverhalten.

Pro­sci belegt in den „ABCs of Spon­sor­ship”, abge­lei­tet aus 25 Jah­ren Bench­mark-For­schung, dass akti­ve und sicht­ba­re Betei­li­gung von Füh­rungs­kräf­ten die Erfolgs­wahr­schein­lich­keit einer Ver­än­de­rungs­in­itia­ti­ve von 25 Pro­zent auf 85 Pro­zent stei­gert. Spon­so­ren­schaft wur­de mehr als drei­mal häu­fi­ger als der nächst­wich­ti­ge Fak­tor als ent­schei­den­der Bei­trag zum Erfolg von Chan­ge-Pro­gram­men genannt.

Fau­pel und Süß (HHU Düs­sel­dorf) zei­gen, dass trans­for­ma­tio­na­le Füh­rung die Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung der Mit­ar­bei­ten­den stärkt, also ihre indi­vi­du­el­le Über­zeu­gung, mit beruf­li­chen Her­aus­for­de­run­gen umge­hen zu kön­nen. Das ist die psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­ge dafür, dass Mit­ar­bei­ten­de nicht nur Ver­än­de­run­gen akzep­tie­ren, son­dern aktiv mitgehen.

MIT Slo­an Manage­ment Review und Cogni­zant (2020) zei­gen, dass Füh­rungs­kräf­te, die ihre per­sön­li­che Lern­rei­se in Trans­for­ma­tio­nen sicht­bar machen und kon­sis­ten­tes Ver­hal­ten zei­gen, Wan­del deut­lich nach­hal­ti­ger ver­an­kern als sol­che, die aus­schließ­lich über Stra­te­gie kommunizieren.

Quel­len­ver­zeich­nis

Edmond­son, A.C.
Psy­cho­lo­gi­cal Safe­ty and Lear­ning Beha­vi­or in Work Teams.
Admi­nis­tra­ti­ve Sci­ence Quar­ter­ly, 44(2), 350–383. Cor­nell Uni­ver­si­ty, 1999.

Edmond­son, A.C.
The Fearless Orga­niza­ti­on: Crea­ting Psy­cho­lo­gi­cal Safe­ty in the Work­place for Lear­ning, Inno­va­ti­on, and Growth.
Wiley, 2018. ISBN: 978–1‑119–47726‑0.

Fau­pel, S. & Süß, S.
Empi­ri­sche Befun­de zum Ein­fluss trans­for­ma­tio­na­ler Füh­rung auf die Reak­ti­on von Mit­ar­bei­tern in orga­ni­sa­tio­na­len Ver­än­de­run­gen.
Manage­ment Sum­ma­ry, Lehr­stuhl für BWL, insb. Orga­ni­sa­ti­on und Per­so­nal.
Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf.
Ver­füg­bar unter: wiwi.hhu.de

Goog­le re:Work
Pro­ject Aris­tot­le: Under­stan­ding Team Effec­ti­ve­ness.
Inter­ne Stu­die, ver­öf­fent­licht 2016.
Ver­füg­bar unter: rework.withgoogle.com

Kot­ter, J.P.
Lea­ding Chan­ge: Why Trans­for­ma­ti­on Efforts Fail.
Har­vard Busi­ness Review, 1995. Aktua­li­sier­te Fas­sung: 2007.
Ver­füg­bar unter: hbr.org

McK­in­sey & Com­pa­ny
Chan­ging Chan­ge Manage­ment.
McK­in­sey Quar­ter­ly, 2015.
Ver­füg­bar unter: mckinsey.com

MIT Slo­an Manage­ment Review & Cogni­zant
The New Lea­der­ship Play­book for the Digi­tal Age: Reim­agi­ning What It Takes to Lead.
Glo­bal Exe­cu­ti­ve Stu­dy and Rese­arch Report, Janu­ar 2020.
N = 4.394 Füh­rungs­kräf­te, 27 Exe­cu­ti­ve Inter­views.
Ver­füg­bar unter: sloanreview.mit.edu

Pro­sci Inc.
Best Prac­ti­ces in Chan­ge Manage­ment, 12th Edi­ti­on.
25 Jah­re For­schung, 10.800+ Pro­fes­sio­nals welt­weit. Pro­sci, 2023.
Ver­füg­bar unter: prosci.com

Pro­sci Inc.
ABCs of Spon­sor­ship: Pri­ma­ry Sponsor’s Role and Importance.
Abge­lei­tet aus Best Prac­ti­ces in Chan­ge Manage­ment Rese­arch.
Ver­füg­bar unter: prosci.com/blog/primary-sponsors-role-and-importance

Hin­weis zur Einordnung

Die ver­wen­de­ten Quel­len bele­gen die Kern­the­sen der Serie auf der Ebe­ne von Mecha­nis­men und Wirk­zu­sam­men­hän­gen. Sie sind kei­ne Blau­pau­sen für spe­zi­fi­sche Inter­ven­tio­nen. Jede Orga­ni­sa­ti­on ist ein eige­nes Sys­tem. Was die For­schung zeigt, ist die Rich­tung. Was in Ihrem kon­kre­ten Kon­text wirkt, erfor­dert eine spe­zi­fi­sche Diagnose.

Genau dafür sind wir da.

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2nd Tier Con­sul­ting beglei­tet Füh­rungs­kräf­te in tief­grei­fen­den Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen. Nicht als Imple­men­tie­rungs­part­ner. Als Spar­rings­part­ner für das, was wirk­lich zählt: Führungsverhalten.

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